Wer sie verkauft, nennt Ihnen eine Zahl. Wer sie einbaut, weiß, dass diese Zahl bei Ihnen anders ausfällt — und warum. Die Wärmepumpe ist der einzige Wärmeerzeuger, dessen Verbrauch mehr vom Gebäude abhängt als vom Gerät.
Sie erzeugt keine Wärme: sie verschiebt sie
Dieses Prinzip erklärt alles Weitere. Ein Kessel erzeugt Wärme durch Verbrennung: Im besten Fall gibt er fast die gesamte zugeführte Energie zurück. Eine Wärmepumpe dagegen nimmt Wärme, die bereits vorhanden ist — in der Außenluft, im Erdreich oder im Grundwasser — und bringt sie ins Haus. Den Strom braucht sie nur für diesen Transport, nicht für die Erzeugung.
Deshalb kann sie mehr Wärmeenergie abgeben, als sie an Strom aufnimmt: Sie verletzt kein physikalisches Gesetz, sie verschiebt statt zu erzeugen.
Die Leistungszahl: worauf zu achten ist
Auf den Datenblättern finden Sie den COP, also das Verhältnis von abgegebener Wärme zu aufgenommenem Strom unter genau definierten Prüfbedingungen. Aussagekräftiger ist der jahreszeitliche Wert (SCOP), der eine ganze Heizsaison berücksichtigt und nicht einen idealen Augenblick.
Achtung: Das sind Laborwerte unter festgelegten Bedingungen. Sie dienen dem Vergleich von Geräten, nicht der Vorhersage Ihrer Rechnung.
Die vier Faktoren, die den realen Verbrauch bestimmen
- Wie viel das Haus verliert. Den Bedarf bestimmt die Hülle: Dämmung, Fenster, Außenflächen. Eine Wärmepumpe in einem ungedämmten Haus verbraucht viel — genau wie es ein Kessel täte.
- Die Vorlauftemperatur. Der am meisten unterschätzte Faktor. Eine Wärmepumpe arbeitet bei niedriger Temperatur deutlich effizienter: Mit einer Fußbodenheizung ist sie in ihrem idealen Bereich, mit klassischen Heizkörpern bei hoher Temperatur muss sie sich quälen.
- Das Klima des Standorts. Je kälter es draußen ist, desto weniger Wärme gibt es zu verschieben und desto mehr arbeitet das Gerät. Dieselbe Wärmepumpe verhält sich in der Stadt Bozen anders als in einem Seitental auf tausend Metern.
- Die Auslegung. Ein zu großes Gerät schaltet ständig ein und aus, und jeder Start kostet. Ein zu kleines läuft dauernd am Anschlag und greift auf den elektrischen Heizstab zurück — der Posten, der auf der Rechnung wehtut.
Warum klassische Heizkörper der kritische Punkt sind
Eine für den Kessel ausgelegte Heizkörperanlage arbeitet mit hoher Temperatur. Von einer Wärmepumpe Wasser mit dieser Temperatur zu verlangen heißt, sie genau dort zu betreiben, wo sie am wenigsten leistet — und der Unterschied auf der Rechnung ist alles andere als klein.
Das bedeutet nicht, dass die ganze Anlage neu muss. Es bedeutet, dass diese Prüfung vorher gehört: Manchmal genügen gezielte Eingriffe in einzelnen Räumen, manchmal ist eine Hybridlösung sinnvoll, manchmal ist eine andere Lösung die richtige.
Wie man den Verbrauch vor dem Kauf abschätzt
Ein seriöses Angebot beginnt nicht beim Katalog, sondern beim Haus. Nötig sind: die Daten der Gebäudehülle, die bestehende Anlage und ihre Betriebstemperaturen, das Klima des Ortes, der Warmwasserbedarf der Familie und die Nutzungsgewohnheiten.
Damit schätzt man den Jahresbedarf und teilt ihn durch die unter diesen Bedingungen zu erwartende Jahresarbeitszahl. Das Ergebnis ist eine Schätzung, keine Garantie — aber eine Schätzung auf Basis Ihres Hauses und nicht eines Prospekts.
Was wir Ihnen sagen
Fragen Sie uns nach einer Wärmepumpe, sehen wir uns zuerst Ihre bestehende Anlage an. Ergibt sie Sinn, sagen wir es Ihnen mit den Zahlen Ihrer Situation. Ergibt sie keinen Sinn — das kommt vor, vor allem in schlecht gedämmten Häusern mit Hochtemperatur-Heizkörpern —, sagen wir auch das und überlegen gemeinsam, was vorher sinnvoll ist.
Schreiben oder rufen Sie uns an: Diese Entscheidung trifft man alle zwanzig Jahre einmal, sie sollte auf den richtigen Daten beruhen.


